Tourismus trifft NFT – 4 konkrete Anwendungen und Konzepte

NFTs sollen den Markt digitaler und realer Güter revolutionieren. Und auch für den Tourismus zeigen sich erste Konzepte und Ideen, wie diese sowohl dem Reisenden als auch dem Leistungsträger einen Mehrwert bieten können.

Was bedeutet NFT?

NFT ist die Abkürzung für Non-Fungible Token. Es handelt sich also um ein nicht austauschbares Objekt. Stell es dir wie ein Kunstwerk vor. Die Mona Lisa kannst du nicht durch ein anderes gleichwertiges Kunstwerk ersetzen. Das Gegenbeispiel, also ein fungible Token, wäre ein Geldschein. Auch sehr schön, du kannst ihn jedoch jederzeit durch einen anderen gleichwertigen Schein ersetzen.

Das Eigentum an einem solchen NFT wird in einer Blockchain gespeichert. Du hast diesen Begriff vielleicht schon einmal im Zusammenhang mit Cryptowährungen, wie etwa Bitcoin gehört. Bei einer Blockchain handelt es sich vereinfacht gesagt um eine Datenbank (oder Liste), die einerseits öffentlich einsehbar ist und bei der ein Eintrag nachträglich nicht mehr verändert werden kann.

Das bedeutet, in dieser Blockchain ist gespeichert, wem ein NFT derzeit gehört. Wird das NFT weiterverkauft, wird der neue Eigentümer ebenfalls in der Blockchain gespeichert, der alte Eigentümer wird jedoch nicht gelöscht, sondern sein früheres Eigentum bleibt weiterhin vermerkt. Ähnlich einem Fahrzeugbrief, bei dem die bisherigen Eigentümer eines Autos ja auch weiterhin sichtbar sind.

Welchen Wert hat ein NFT?

Zu den bekanntesten NFTs gehören die Bilder des Bored Ape Yacht Club (BAYC). Diese 10.000 exklusiven Affen Illustrationen werden jeweils für mehrere 10.000 USD gehandelt. Ganz so wie echte Kunstwerke.

Da es sich allerdings nur um digitale Dateien handelt, kann man sich dieses Eigentum nicht „an die Wand hängen“. Es ist vielmehr so, dass jeder Internetnutzer sich das entsprechende digitale Bild jederzeit herunterladen kann. Auch dann, wenn er nicht der Eigentümer des NFTs ist.

Dass es für das jeweilige NFT aber nur einen rechtmäßigen Eigentümer gibt, lässt sich jederzeit über die Blockchain nachprüfen. Und dieser könnte theoretisch auch seine Rechte an diesem Bild durchsetzen. Praktisch sind die NFTs, ähnlich wie ein reales Kunstwerk, aber häufig zuerst einmal nur Statussymbole.

Aber NFTs können noch eine weitere, durchaus wichtige Funktion einnehmen: als eine Art „Schlüssel“ oder Türöffner. Während sich jeder einen der „Affen“ kopieren und aus dem Internet herunterladen kann, hat nur der Eigentümer über seinen Eintrag in der Blockchain die Möglichkeit sich zu verifizieren. Beim BAYC (Bored Ape Yacht Club) zum Beispiel kann nur der Eigentümer eines Affen einer exklusiven Online Community beizutreten, in der er mit anderen BAYC-Eigentümern netzwerken und interagieren kann.

Der „Wert“ eines NFTs kann sich also über den Sammlerwert hinaus auch daraus ergeben, welche Zusatzleistungen ich mit dem Eigentum erhalte.

Der Bored Ape Yacht Club soll hier nur als Beispiel dienen. Inzwischen gibt es hunderttausende NFTs, mit unterschiedlichsten Zusatzeigenschaften, die auf Plattformen wie OpenSea oder NFTLaunchpad gehandelt werden. Und auch große Unternehmen, wie Adidas, Coca-Cola oder die NBA sind bereits in das Geschäft eingestiegen.

Tourismus und NFTs, wie passt das zusammen?

Tatsächlich gibt es bisher nur sehr wenige echte NFT Tourismus Anwendungen. Aber mit dem Wissen, dass du jetzt zu diesem Thema erworben hast, werde ich dir ein paar weitere Gedanken vorstellen.

Limitierte Coachella Festival Key NFTs

Das Coachella Festival handelt auf seiner eigenen Plattform mit exklusiven „Coachella Keys“. Diese Schlüssel (limitiert auf 10 Stück) erlauben es dem Eigentümer mit bis zu 9 Freunden lebenslang kostenlos die Coachella-Festivals zu besuchen. Darüber hinaus werden VIP Sonderleistungen, wie etwa Dinnerpartys oder kostenlose Übernachtungen ermöglicht. Stand heute ist nur noch ein Coachella-Key verfügbar. Der Preis liegt aktuell bei ca. 10.000 USD.

Aber natürlich ließen sich auch normale Tickets über das NFT System verkaufen, verifizieren und deren Handel nachverfolgen.

NFTs als Bonuspunkte 2.0

Bonuspunkte sind im Tourismus nichts Neues. Du bekommst sie für deine Flug- und Bahnreisen und auch einige Hotelketten bieten diese an. Tatsächlich fand eine Studie in den USA heraus, dass Bonusprogramme von Hotels die Entscheidung für oder gegen eine Hotelkette maßgeblich beeinflussen und damit auch einen positiven Einfluss auf Auslastung und Umsatz haben.

Das Bonuspunkte-Programm lässt sich aber auch auf NFT-Basis umsetzen. So können Gäste für gefahrene bzw. geflogene Kilometer und Meilen NFTs erhalten. Werden die Bonuspunkte eingelöst, geht deren Eigentum wieder an den Herausgeber zurück.

Diese Bonuspunkt-NFTs ließen sich über die Blockchain erstmals relativ einfach und mit wenig Verwaltungsaufwand an andere Gäste weitergeben und verkaufen. Gerade der Handel mit „überschüssigen“ Bonuspunkten kann das System auch für Menschen spannend machen, die sich bisher nicht für Bonussysteme interessierten.

NFT als „Proof of Travel“

Über die Funktion eines NFTs als Statussymbol habe ich ja bereits weiter oben geschrieben. Dieses Konzept lässt sich natürlich auch auf die Reisebranche übertragen.

Man könnte sich zum Beispiel vorstellen, dass Reisende für exklusive Reiseaktivitäten ein NFT als Auszeichnung erhalten. Etwa die Besteigung eines Berges oder der Fallschirmsprung aus dem Heißluftballon.

Die Kosten für das entsprechende NFT entsprächen dann den Kosten für die Aktivität selbst. Der Reisende könnte am Ende seiner Reise also nicht nur auf seine Fotoerinnerungen, sondern auch auf seine NFTs schauen und diese ähnlich eines Fotoalbums auch Freunden und Familie präsentieren.

Auch eine Umsetzung als „digitaler Pilgerpass“ wäre natürlich denkbar!

NFTs als Incentive / Belohnung

Ein ähnlicher Ansatz bestände auch darin, den Gast mit dem Versprechen eines NFTs zu locken. Zum Beispiel die Galerie, die mit jeder Ausstellung eine Reihe limitierter NFTs der Künstler an Besucher herausgibt.

Diese NFT Kunstwerke könnten den Gast einer Stadt dazu bringen, die Galerie (regelmäßig) zu besuchen, obwohl dieser Besuch normalerweise nicht Teil des Reiseplans gewesen wäre.

Gibt es einen Marktplatz für diese NFTs könnte sich aus dem Besuch sogar ein finanzieller Vorteil (und Anreiz) für den Gast ergeben.

Blick in die Zukunft

Bisher gibt es nur sehr wenige konkrete NFT Projekte im Tourismus. Nachdem du aber nun die Basics und Mechanismen verstanden hast, kommen dir vielleicht eigene Ideen, wie du NFTs in deinem konkreten Kontext einsetzen könntest. Sei es zur Bindung von Kunden und Gästen oder gar zur Erschließung neuer Zielgruppen.

Die Technologie existiert. Jetzt fehlt nur noch die konkrete Umsetzung deiner Idee!

Schreibe einen Kommentar